Geburtsbericht Teil 3

Nun lag ich da, an der einen Bettseite immer Marcel bei mir & wehenveratmend beobachtete ich, wie sich das Schmerzmittel langsam leerte. Ich wartete. Wartete auf Erleichterung, irgendein kleines Anzeichen, dass das Mittel anfängt zu wirken. Wartete. Vergebens.

Ich spürte leider keinerlei Linderung, nein – die Schmerzen wurden keinen Hauch erträglicher dadurch. Mittlerweile war es 01:45Uhr…

Ich bat Marcel, die Hebamme zu rufen um das weitere Vorgehen zu besprechen. Das Schmerzmittel war komplett durchgelaufen und es hat leider keinen Funken bewirkt. Es lag noch ein ziemlicher Weg vor uns und ich wusste, dass ich es so nicht mehr lange durchhalten würde. Schon nach 6 Stunden Wehen war ich mit meinen Kräften gefühlt am Ende. Also war die Entscheidung schnell gefallen – ich wollte oder brauchte eine PDA. Dementsprechend veranlasste die Hebamme alle weiteren Schritte.

Erleichterung machte sich in mir breit, als eine halbe Stunde später endlich die Anästhesistin den Kreissaal betrat. Ich hatte mich vorher über Risiken etc. informiert und bejahte ihre Fragen zügig, um das Ganze etwas zu beschleunigen. Marcel fiel bei der Risikonennung „Querschnittslähmung“ noch mal kurz alles aus dem Gesicht, doch ich – während der Aufklärung wieder heftig am Wehen verschreien – wollte einfach nur diese Schmerzen loswerden.

2:36 – die PDA lag. Ich war enttäuscht. Enttäuscht von mir und meinen Kräften, die ich vorher doch so viel stärker eingeschätzt hatte. Wer mich gut kennt weiß, das mich so schnell nichts aus der Bahn wirft und ich körperlich sehr ehrgeizig und belastbar bin. Doch diese Umstände brachten mich schneller als gedacht an meine Grenzen. Aber die Hebamme hatte recht. Keine, die ohne PDA diesen Kreissaal verlässt, bekommt anschließend eine Medaille verliehen und die Hauptsache ist doch, am Ende ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen – egal auf welchem Weg. Im Nachhinein war die PDA für mich die richtige Entscheidung gewesen…

Das Gefühl, als die Wirkung schließlich einsetzte, war unbeschreiblich! Das CTG formte starke Wehen und ich spürte – nichts. Die Hebamme sagte, wir sollen die Zeit zum Ausruhen nutzen und Kräfte sammeln. Schließlich war es mit den gestoppten Schmerzen nicht vorbei. Unser Kind musste ich am Ende ja immerhin selbst noch ans Licht der Welt bringen. Ich weiß nicht, wieviel Kaffee Marcel mittlerweile schon getrunken hatte, doch die Anstrengung war auch ihm ins Gesicht geschrieben.

An dieser Stelle: Ich bin unfassbar dankbar, dass er mir in dieser Nacht nicht von der Seite gewichen ist. So selbstverständlich es für ihn auch war, bei der Geburt unseres Kindes dabei zu sein. Wurde er doch vorher von einigen gefragt, ob er wirklich mit geht. Für ihn stand das nie in Frage und seine Antwort war immer ganz klar – ja natürlich!Auch wenn es „nur“ Wasser bringen, mich Stützen und einfach da sein war – er war mir eine größere Hilfe, als ihm in diesem Moment bewusst war. „Mein Herz, ich Liebe Dich & bin unfassbar stolz, wie Du das alles mit mir gemeistert hast – wie wir das gemeinsam gemeistert haben, um unser Fantenmädchen jetzt in den Armen zu halten.“ ❤️

Ausruhen? Leichter gesagt als getan. Da Cleos Herztöne zwischendurch ständig höher wurden, hatte ich noch eine Kochsalzlösung angehängt bekommen. Dazu die PDA und das Antibiotikum. Mein Körper begann langsam ein wenig zu resignieren. Ich fühlte mich an sich ganz gut, zitterte allerdings unkontrollierbar am ganzen Leib. Und dass über die nächsten Stunden.

Mittlerweile war es sicher 05:00 Uhr. Cleos Herztöne formten immer noch starke Ausschläge und die Kochsalzlösung wurde direkt durch eine neue ersetzt. Außerdem stellte die Hebamme fest, dass meine Temperatur erhöht war. Fieber? Ich hatte sicher die letzten 10 Jahre kein Fieber mehr gehabt. Aber nun war es so und der Zugang an meiner Hand wurde um einen Schlauch erweitert – jetzt floss auch noch Penicillin in meinen Körper. Langsam aber sicher wurde mir doch etwas mulmig.

Doch das sollte es noch nicht gewesen sein…

Fortsetzung folgt.

Eure Anni

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