Geburtsbericht Teil 4

Kurz vorab: zum Ende hin habe ich ein paar Erinnerungslücken – einfach der Situation und Müdigkeit zuzuschreiben. Es kann also sein, dass hier und da eine kleine Info fehlt und|oder die Zeiten nicht mehr 100% stimmen. Sorry dafür!

…Außerdem stellte die Hebamme fest, dass meine Temperatur erhöht war. Fieber? Ich hatte sicher die letzten 10 Jahre kein Fieber mehr gehabt. Aber nun war es so und der Zugang an meiner Hand wurde um einen Schlauch erweitert – jetzt floss auch noch Penicillin in meinen Körper. Langsam aber sicher wurde mir doch etwas mulmig.

Doch das sollte es noch nicht gewesen sein. Endlich warf die Hebamme mal wieder „einen Blick“ auf meinen Muttermund und ja – wir waren endlich etwas voran gekommen und bei 6-7cm. Na immerhin! Da die Herztöne der Kleinen aber leider immer noch zu hoch waren, beschloss die Hebamme mit der Ärztin die Sauerstoffversorgung kontrollieren zu müssen. Mikroblutuntersuchung! Ja, ich hatte von der Methode gehört und gelesen, aber man zieht sich doch für sich am liebsten die positiven Dinge raus in der Hoffnung, mit manchen Vorkommnissen einfach nicht konfrontiert zu sein. Die Vorstellung, dass gleich mit einer dünnen Nadel ein Blutstropfen aus dem Kopf meines noch ungeborenen Kindes genommen werden sollte, gefiel mir garnicht und hier trieb es mir doch ein wenig die Tränen in die Augen. Antibiotikum. Fieber. Herztöne zu hoch. Jetzt vil. noch Sauerstoffmangel?

Während Marcel mir gut zuredete, kam die Ärztin zum Glück schneller als Gedacht mit den Ergebnissen und einer kleinen Entwarnung zurück – Sauerstoffversorgung ist sehr gut. Ein Funken Erleichterung machte sich breit.

Mittlerweile war es ca. 06:00 und die PDA neigte sich langsam dem Ende zu. Da die Hebamme mir vorher – auf Grund der Größe meines Muttermundes – immer wieder dazu riet, sobald ich leicht etwas spürte wieder die nächste Dosis zu drücken, tat ich dies auch. Wobei ich ja wusste, dass ich bei den Presswehen definitiv wieder mitarbeiten muss und schon langsam zu grübeln anfing, ob die PDA dann nicht noch zu stark wirkte. Marcel schilderte mir außerdem von seiner Beobachtung auf dem CTG, dass die Wehenausschläge garnicht mehr so hoch seien wie vorher die ganze Zeit.

Wieder eine Stunde später – die PDA war nun ja schon durchgelaufen – und ich spürte nichts! Keine Wehe – kein Schmerz. Die Hebamme kontrollierte kurze Zeit später meinen Muttermund. Ja – wir waren endlich soweit. Es konnte losgehen. Und ich? Ich lag da – ohne Wehen.

Um 07:30 – mittlerweile wurde die Nachtschicht vom Frühdienst abgelöst, aber auch mit der 2. uns betreuenden Hebamme hatten wir großes Glück – bekam ich dann schließlich einen Wehentropf und einen Weichmacher angehängt. (Zugänge waren ja schon genug vorhanden…) Die Maus war jetzt bereit rauszukommen, aber ohne Wehentätigkeit konnte ich natürlich nicht mitarbeiten. Wieder einige Zeit später und ich spürte immer noch nichts. Ich ärgerte mich, dass ich ständig weiter diesen PDA-Knopf gedrückt hatte. Aber zu dem Zeitpunkt wusste ich es ja nicht besser und hatte bloß die Anweisungen|Tipps der Hebamme befolgt.

Gegen 08:30 gab die Hebamme mit einer Spritze noch ein stärkeres Mittel in den Wehentropf. Ich war gespannt, ob dies nun Wirkung zeigen würde und ja – kurze Zeit später spürte ich endlich wieder Schmerzen. Die letzten 3 Stunden hatte ich sie mir nun zurückgewünscht – nach 2 Wehen hab ich sie schon wieder verflucht.

Sch*** – was war das denn jetzt bitte? Mit den Wehen von vorher hatte das absolut nichts mehr zu tun. Ich spürte so einen unfassbaren Druck, allerdings eher in der Afterregion als in der Scheide. Ich hatte wirklich das Gefühl, beim nächsten Pressen würde sich der gesamte Darm samt Inhalt unter mir wiederfinden. (Sorry für die Details – aber so war es nunmal!) Die Hebamme bestätigte mich allerdings in meinem Tun und dass das Gefühl genau richtig so sei. Dann verschwand sie aus der Tür…

Naja sie wird schon gleich wieder kommen, dachten wir uns. Fehlanzeige! (Im Nachhinein stellte sich heraus, das mit mir gemeinsam zwei Zwillingsgeburten und ein Frühchen in den Nachbarzimmern unterwegs waren – nichtsdestotrotz waren wir in diesem Moment auf uns alleine gestellt.) Viel gelesen, viel gehört hatte ich jedoch keinen blassen Schimmer, wie ich mit den schmerzhaften Presswehen umgehen sollte. Marcel redete mir gut zu, ich jedoch schrie nach der Hebamme. Ich brauchte sie in diesem Moment wirklich als Unterstützung. Nachdem Marcel mehrmals geklingelt und auch verzweifelt nach unserer Hebamme gerufen hatte, stand sie eine viertel Stunde später endlich wieder neben mir.

Unter ihrer Anleitung schaffte ich es endlich, die Presswehen richtig anzunehmen und mitzuhelfen. Ab jetzt wich die Hebamme mir auch nicht mehr von der Seite. Doch ein Hindernis wartete leider noch auf uns, denn ohne Hilfe würde ich den Kopf auf Grund der leichten Schieflage wohl nicht herausbringen können. So stand ab der nächsten Wehe noch die Kinderärztin links von mir. Nun begann der für mich etwas unschöne Teil, wobei ich mit dem Kopf eh schon ein wenig in eine andere Welt abgedriftet war und ausser ein paar motivierender Worte der umstehenden aufschnappend, vollkommen auf mich konzentriert war.

Die Kinderärztin bearbeitete also nun bei jeder Wehe meine Bauchdecke von oben. Ok – das ist vil. etwas zu harmlos ausgedrückt. Sie lehnte sich – den Unterarm auf meinen Bauch aufgestützt – mit ihrem kompletten Körpergewicht (Marcel teilte mir später mit, dass sie sich mit dem Fuß an der Wand abdrückte…) auf meinen Bauch, um das Kind gemeinsam mit mir rauszuschieben. Nein – schön war es sicher nicht, aber ich wollte in diesem Moment auch einfach nur noch, dass sie rauskommt.

Gegen 09:45 war ich allerdings an dem Punkt der Resignation angekommen. Ich wollte nicht mehr und hatte auch das Gefühl, nicht mehr genug Kraft zu haben. So wimmerte ich ein „ich kann nicht mehr“ nach dem Nächsten, während mir die Hebamme weiter zusprach. Sie lies mich das Köpfchen fühlen, was bereits schon mitten im Ausgang steckte, um noch mal alles aus mir rauszuholen und ja – 20 Minuten später – ich konnte es selbst noch nicht glauben, als die Hebamme sagte, dass das Köpfchen schon da sei – ertönte kurze Zeit später endlich der lang ersehnte Kinderschrei im Kreissaal (der Gedanke zurück lässt mich beim Schreiben Gänsehaut bekommen…)

Wie lange hatten wir auf diesen Moment gewartet? Und er war noch größer, viel intensiver als wir es uns vorgestellt hatten. Die Gefühle brachen nur so über uns hinein – wir hatten es geschafft, gemeinsam geschafft & hielten kurze Zeit später (leider musste die Maus uns auf Grund der Streptokokken direkt entwendet werden, aber so schlimm es kurz auch war, siegte der Verstand über die Notwendigkeit der Untersuchung durch die Kinderärztin) tatsächlich unsere kleines Wunder in den Armen. Wir schauten sie an und sie öffnete sogar schon ihre kleinen hübschen Äuglein und gab uns so das Gefühl, unsere Blicke zu erwidern. Ich war so gerührt, stolz, dankbar und glücklich zugleich. Einfach ein unbeschreibliches Gefühl, dass sich in Worten nicht ausdrücken lässt.

Jetzt waren wir wirklich Eltern und würden ab jetzt jeden Schritt von Cleo begleiten – ab jetzt und für immer. ❤️

Ihr Lieben – das wars. Unsere persönliche Geburtsgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen. Doch egal wie schwer es zwischenzeitlich war, zwei Tage später fragte ich mich, ob ich das vielleicht alles nur geträumt hatte – so unwirklich war alles. Doch wir werden jeden Tag erinnert, dass es ein Traum war, der Mensch geworden ist.

An alle Baldmamis, die fleißig meinem Beitrag folgen – ihr packt das! Auch wenn ihr an dem Punkt des Resignierens angekommen seid – dann ist es wirklich nicht mehr lange, bis ihr dieses unfassbare kleine Glück in euren Armen haltet & für den Weg dahin wünsche ich euch von Herzen nur das Beste. Mutter werden ist ein unglaubliches Gefühl.

Falls ihr noch irgendwas wissen möchtet, schreibt mir sehr gerne – hier, auf Insta oder per Mail. Ich beantworte gerne eure Fragen.

Ganz wunderbare Grüße

Eure Anni

2 Antworten auf “Geburtsbericht Teil 4”

  1. Anni, den ganzen Bericht hast du wirklich toll geschrieben! Es ist doch immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich die Geburten ablaufen und wie Man alles empfindet 😍❤️

    Aber echt schön, dass du so viele an deiner Geburt dran Teil haben lässt und alle deine Erfahrungen und Geburtsumstände teilst!
    Genießt weiterhin jede Sekunde mit eurem Fantenmädchen, es ist einfach ein Traumhaftes Gefühl Mutter zu sein und sein eigenes kleines großes Wunder in den Armen zu halten 😍😍
    Viele liebe Grüße 😘

    Gefällt 1 Person

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