Unsere Stillgeschichte

Für mich war es im Laufe der Schwangerschaft eigentlich relativ schnell klar, dass ich stillen oder es zumindest versuchen möchte. Ich hab mir die Nähe und das innige Gefühl zu meinem Kind wunderschön vorgestellt, mal von den praktischen Aspekten (unterwegs immer etwas zu Essen in der richtigen Temperatur parat) und dass es natürlich „das Beste“ für ein Baby ist abgesehen. Ich würde allerdings auch nie Mamas verurteilen, die das einfach nicht möchten. Stillen ist mal wieder so eines der Dinge, die jeder für sich selbst entscheiden muss. Nun aber zu unserer persönlichen Stillgeschichte…

Geschichte hört sich natürlich schon nach einigen Ereignissen an und ja, einfach war es nicht und dass ist auch mit ein Grund, wieso ich das hier niederschreibe. Vielleicht kann es der ein oder anderen Mami etwas Mut machen, nicht so schnell aufzugeben – aber natürlich nur, wenn ihr das Stillen auch wirklich wollt.

Fangen wir im Krankenhaus an. Cleo ist um 10:05 geboren – gegen mittag etwa waren wir auf dem Zimmer. Vorher noch völligst von dem Erlebten samt dem bezaubernden Wunder in meinem Arm eingenommen, machte ich mir gegen Abend dann doch mal Gedanken bezüglich des Stillens. Ich fühlte mich irgendwie schlecht vorbereitet und hatte keine Ahnung von nichts. Leg ich jetzt einfach mal los? Wie man merkt, im Krankenhaus wurde dem ganzen bisher noch nicht wirklich viel Aufmerksamkeit geschenkt, da die Kleinen ja die ersten 24h nach der Geburt nichts benötigen – oder nicht zwingend. Ich klingelte jedoch dann doch nach der Schwester, die meinte ich könnte es ruhig einfach mal probieren. Ok – gesagt getan und Cleo begann tatsächlich ganz friedlich an meiner Brust zu nuckeln. So kamen wir schließlich durch die Nacht – Schlafen, Kuscheln und immer mal andocken. Meine Brüste fühlten sich schon irgendwie gespannter an, allerdings nicht schmerzhaft oder so. Ich konnte allerdings auch nicht unterschreiben, wieviel oder ob überhaupt Milch aus meiner Brust herausgetreten war.

Am nächsten Tag nachmittags lies mich das Gefühl nicht los, dass Cleo mehr Hunger als ich Nahrung parat hatte, so bekam sie eine kleine Menge Pre aus der Flasche, die sie auch genüsslich verschlang. Nun war sie erstmal Satt, ich sollte sie allerdings weiterhin immer mal anlegen. So kamen wir auch irgendwie durch die zweite Nacht und ich hatte das Gefühl, sie hätte wirklich gut getrunken. Immerhin zierten meine Brustwarzen schon „Knutschflecken“ und jedes weitere Anlegen wurde leider immer schmerzhafter. Ich berichtete der Schwester am nächsten morgen stolz von meiner Nacht und dass die Kleine mich ja sogar schon „Wund saugt“, also einen guten Zug drauf hat. Cleo wurde anschließend noch zu Untersuchungen – inklusive Hörtest mitgenommen.

Für den Hörtest müssen die Mäuse ja schlafen, dies war allerdings anfangs bei ihr wohl nicht der Fall und die Schwester stellte fest, dass sie scheinbar ziemlichen Kohldampf hatte. So gab sie ihr eine Flasche und – obwohl ich so ein gutes Gefühl hatte – ganze 80ml! wurden eben mal so abgepumpt. Etwas verdutzt, als mir die Schwester das anschließend berichtete, beginn ich meine Stillqualitäten zu hinterfragen. Hätte sie vorher bei mir wirklich so viel getrunken hätte sie doch sicher nicht so einen Hunger gehabt? [ Nebenbei: der Milcheinschuss ist ja nicht bei jeder Frau direkt da, sondern auch mal erst nach dem 3. oder 5. Tag, bei manchen dauert es vielleicht noch länger…]

Ich muss außerdem noch dazusagen: ich hab mich was das Stillen angeht tatsächlich nicht wirklich gut betreut gefühlt, gehöre allerdings auch zu den Menschen, die nicht x Mal nach der Schwester klingeln. Ich habe 2x nach Hilfe beim Stillen gefragt und für die Damen sah es soweit in Ordnung aus, daher wollte ich nicht nochmal nachhaken. Selbst dran schuld? Vielleicht…

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Ich tauschte mich mit meiner Schwägerin aus, die vor etwas mehr als einem Jahr mein Patenkind geboren hatte und anfänglich auch Probleme mit dem Milcheinschuss und dem Stillen hatte. Sie rat mir doch einfach mal abzupumpen um zu schauen, ob da wirklich schon was kommt. Ich fragte nach und – zwar nicht unfassbar begeistert – so erfüllte mir die Schwester meinen Wunsch. Es war unser Tag der Entlassung und ich wollte wissen, was Sache ist. So wurden meine mittlerweile wunden Brustwarzen (es war Mittag und Cleo hatte ja jetzt seit nachts nichts mehr getrunken durch die Flasche am Vormittag) an die Milchpumpe angedockt – jede Seite 15 Minuten. Das Ergebnis: 0,0ml Milch. Ich fühlte mich richtig mies… war ich doch so überzeugt, die letzte Nacht wäre gut gewesen und die arme Maus hatte überhaupt nichts von mir bekommen!

Anschließend stand die U2 auf dem Plan, bevor wir den Heimweg antreten sollten. Alles prima – bis auf ihr Gewicht. Cleo hatte ihr Geburtsgewicht von 3800 Gramm auf 3300 reduziert – also etwas mehr als die gewöhnlichen 10%. Allerdings wurde das Geburtsgewicht schnell in Frage gestellt, da sie ja bereits zugefüttert bekam und so traten wir schließlich trotzdem den Heimweg an.

Noch etwas unsicher, wie das mit dem Stillen|Füttern nun weitergehen sollte, war ich doch unfassbar froh, an diesem Tag mit Cleo zu Papa nach Hause gekommen zu sein und ich beschloss, das weitere Vorgehen am nächsten Tag mit der Hebamme zu besprechen. Bis dahin legte ich Cleo in ihren Wachphasen immer wieder an meine zum Teil schon offenen Brustwarzen an – ich wollte es einfach so sehr und aufgeben war hier noch keine Option für mich!

Am nächsten Tag war nun meine Hebamme da und gemeinsam mit ihr (aber vor allem durch ausgiebige Gespräche mit meiner Schwägerin) beschloss ich mir in der Apotheke eine Milchpumpe zu besorgen. Cleo fütterten wir etwas zu aber ich legte sie trotzdem immer und immer wieder an meine Brust an – nun wurde anschließend dann auch noch die Milchpumpe angehängt.

Kurzer Einwurf zum Thema „wunde Brustwarzen“: Ich hatte die Brustwarzensalbe von Medela im Krankenhaus bekommen und Zuhause auch noch die Salbe von Babylove. Am allerbesten und wohltuendsten empfand ich jedoch die „Multi Mam Kompressen“ – nicht gerade billig, jedoch sehr wirksam und super kühlend. Die haben mir am besten geholfen.

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Dienstagabend – 4 Tage nach Cleos Geburt war es endlich soweit – da war tatsächlich eine mini kleine Pfütze Milch in der Flasche vom Abpumpen zu sehen. Eine kleine Pfütze Hoffnung, an die ich mich unfassbar klammerte und die meinen Willen und meine Motivation unfassbar steigerte. Wenn die Maus länger schlief, pumpte ich trotzdem alle 3 Stunden ab – auch nachts! Dazu nahm ich noch Milchbildungs- Globuli, trank Malzbier und eine Kanne Stilltee am Tag. Die nächsten Tage war ich rund um die Uhr mit anlegen, abpumpen, Brustwarzen kühlen und milchfördernde Mittel schlucken beschäftigt.

Ich strengte mich so sehr an, ich war wirklich bereit alles für das Stillen zu tun! Und nach einigen Tagen wurde es wirklich besser – es kamen tatsächlich nach dem Anlegen immer mal noch so 10ml raus. (Für Mamis mit ultra Milcheinschuss klingt das sicherlich total lächerlich – aber für mich waren 10ml unfassbar viel!) Trotzdem kamen wir von dem Zufüttern mit Pre-Milch noch nicht ganz los. Das griff schon ziemlich meine Psyche an.

Wie oft saß ich da und fragte mich warum? Es flossen Tränen – nicht nur einmal. Ich zweifelte an mir und war einfach so enttäuscht, dass ich ihr nicht genug geben konnte. Ich weiß – Zufüttern oder die Flasche geben ist weder schlecht noch verwerflich – aber mein Wunsch Cleo voll zu Stillen war einfach so groß und ich war traurig, dass ich nach den Strapazen mit dem lästigen alle 3 Stunden Abpumpen nicht mit mehr Milch in meinen Brüsten belohnt wurde.

So ging es immer weiter – mittlerweile war Cleo 4 Wochen alt und nahm gut zu. Es kamen neue Tage – Tage, an denen es ohne Flasche klappte. Ganze 2 Wochen hielten wir durch und ich war stolz wie Bolle – schon 2 Wochen konnte ich sie nur mit Muttermilch sättigen und zufrieden stellen. Doch so sollte es nicht bleiben – mit dem nächsten Entwicklungsschub stieg auch ihr Hunger wieder. Beide Brüste leer gesaugt und immer noch hungrig. Die Pre-Milch musste wieder her halten und ich? Fiel kurzzeitig in mein Loch der Selbstzweifel und Enttäuschung zurück…

Doch meine Hebamme half mir zum Glück schnell wieder da raus. Sie baute mich auf – ich solle den steinigen Weg, der hinter uns liegt mal zurückblicken. Mit null Tropfen Milch war ich hier Zuhause angekommen und bis auf eine Flasche am Tag bekommt Cleo doch nur Muttermilch – mit all den wichtigen Inhaltsstoffen und das schon seit 6 Wochen. Ich könne super stolz auf mich sein! Und sie hatte recht – ich konnte wirklich stolz sein, überhaupt so weit gekommen zu sein.

Mittlerweile ist Cleo knapp 13 Wochen alt. Meine Milchbar hat sich gut mit ihren Bedürfnissen eingespielt. An 4-5 von 7 Wochentagen bekommt sie eine Flasche – mal braucht sie diese mittags, meist eher gegen Abend oder je nachdem wieviel sie den Tag über so an der Brust getrunken hat. Und es ist völligst in Ordnung für mich. Sie ist 13 Wochen alt und 85% ihrer Mahlzeiten werden durch Stillen abgedeckt.

Ich bin glücklich, denn ich genieße das Stillen so sehr. Wie sie mich mittlerweile dabei mit ihren großen Augen anstarrt und es sichtlich genießt. Diese Nähe und Bindung zu ihr – es ist wirklich etwas ganz besonderes. Der Weg war nicht leicht – doch dank der Unterstützung meiner Hebamme, meiner Schwägerin und nicht zuletzt auch meines Mannes, für den es anfänglich so natürlich auch nicht immer leicht war – hab ich es bis hierhin geschafft.

Wenn keine anderen Anzeichen dagegen sprechen kann man mit dem eigenen Willen viel bewirken. Wenn ihr es also unbedingt wollt – gebt nicht auf, macht immer weiter. Denn ihr könnt stolz sein, auf jeden Tropfen Muttermilch, den ihr euren Babys mitgebt. Klappt es nur 3 Wochen? Oder 4? Dann habt ihr trotzdem bis dahin alles gegeben und könnt stolz auf euch sein.

Ich bin gespannt, wie weit und wie lange unsere Stillgeschichte noch geht – aktuell genieße ich es einfach nur…

Lasst mir gerne Feedback oder Kommentare da. Habt ihr „private“ Fragen, schreibt mir gerne via Instagram oder direkt eine Email an anni.wanderlust@mail.de

Wunderbare Grüße

Eure Anni

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